Gesundheit

Integrative Medizin - was steckt dahinter? Urologe Dr. Betz klärt auf

Integrative Medizin ist seit einiger Zeit in aller Munde, aber was versteht man eigentlich wirklich darunter. Doktor Dietmar Betz ist Facharzt für Urologie und Andrologie aus Düsseldorf. Er erklärt, worum es geht und warum das Thema vor allem für Männer interessant ist.

Anatomische Zeichnung
Integrative Medizin - was steckt dahinter? Experte Dr. Betz klärt auf (Themenbild) Foto: iStock / Vaara, Collage / bearbeitet durch Männersache

Was ist Integrative Medizin?

Auf den Punkt gebracht ist Integrative Medizin die Synthese von Behandlungsmethoden der Schulmedizin mit verschiedenen Heilformen aus dem Bereich der komplementären Medizin.

Der Begriff Integrative Medizin hat sich in jüngerer Zeit durchgesetzt und unterscheidet sich von dem in diesem Zusammenhang häufig verwendeten Begriff Alternativmedizin, da in der Integrativen Medizin kein von der westlich orientieren Medizin abgegrenzter Behandlungspfad allein beschritten werden soll, sondern vielmehr eine Kombination aus beiden Vorgehensweisen zur Anwendung kommen soll.

Diese Trennung der Begrifflichkeiten ist wesentlich und es ist wichtig zu erwähnen, dass sich die Mehrheit der komplementärmedizinisch arbeitenden Ärzte klar zu diesem Konzept der Integrativen Medizin bekennt. Maßgeblich ist hierbei, dass die Integration der verschiedenen Heilkünste auf wissenschaftlicher Basis vollzogen und ärztliche Kompetenz in allen Bereichen vorausgesetzt wird.

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Integrative Medizin: Behandlung

Im integrativen Behandlungskonzept werden drei Aspekte berücksichtigt: Ärztliche Erfahrung, individuelle Wünsche und Bedürfnisse der Patienten und nicht zuletzt der fortlaufend zu aktualisierende Kenntnisstand aus der medizinischen Wissenschaft.

Dieser letztgenannte Aspekt erscheint besonders wertvoll im Zusammenhang mit Vorwürfen, die gegen alternativmedizinische Behandlungen erhoben werden, bei denen sich die Therapien auf Behandlungspraktiken beschränken, die anstelle von schulmedizinischen Therapieformen Anwendung finden und somit den Patienten unter Umständen lebensrettende Behandlungsmaßnahmen vorenthalten.

Solche Behandlungsverläufe sind durch das integrative Konzept ausgeschlossen.

In Deutschland ist die Integrative Medizin mittlerweile Bestandteil der medizinischen Versorgung, etwa 70.000 approbierte Ärztinnen und Ärzte üben mindestens ein Verfahren der komplementärmedizinisch verfügbaren Behandlungsmethoden aus. Ebenso finden die hier zur Anwendung kommenden Behandlungsformen Eingang in die Ausbildung von Medizinern an den Hochschulen des Landes und es werden zunehmend Abteilungen an Fakultäten ins Leben gerufen, die sich der wissenschaftlichen Untersuchung dieser Heilverfahren widmen.

Einige Therapieformen aus der Komplementärmedizin haben es sogar bis in den Erstattungskatalog der Krankenkassen geschafft, so etwa die Akupunktur und manuelle Behandlungsverfahren wie Osteopathie.

Weitere Therapiemethoden fußen auf der Entwicklung therapeutischer Substanzen aufgrund von Erkenntnissen aus der Pflanzenheilkunde. Darüber hinaus kommen verschiedene Meditationsformen, Homöopathie und Yoga zur Anwendung.

Ein weiterer Aspekt, der schulmedizinisch voll etabliert ist, aber noch nicht genannt wurde, ist die Psychotherapie, die ebenfalls Eingang in ein integratives Behandlungskonzept finden kann.

Warum ist Integrative Medizin gerade für Männer wertvoll?

Das Schulmedizinische Konzept definiert "Gesundheit" als den Zustand, in dem weder eine Krankheit noch eine organische Störung vorliegen. Ursächlich für Erkrankungen sind Veränderungen dieses Zustandes zum Beispiel durch Keime wie Bakterien oder Viren, Alterungsprozesse, biochemische Störungen, molekularbiologische Veränderungen, Verletzungen von außen und so weiter.

Entsprechend der genannten Ursachen werden Behandlungsverfahren eingesetzt, um die Störungen oder auslösenden Faktoren zu beheben oder zumindest zu beeinflussen.

Die Alternativmedizin nähert sich dem Begriff Gesundheit auf eine ganzheitliche Weise. Hier sieht das Modell vor, ein Gleichgewicht der Systeme Körper, Geist und Seele zu erzielen. Ist dieses Gleichgewicht gestört, kann nach Ansicht der Vertreter dieses Konzeptes Krankheit entstehen. Behandlungskonzepte zielen auf eine Wiederherstellung des inneren Gleichgewichtes.

In der Integrativen Medizin werden nun diese beiden Konzepte zu einem individualisierten Behandlungsverfahren zusammengeführt.

Gerade für Männer stellt diese Integration eine Herausforderung dar, denn ein wesentlicher Bestandteil dieses Behandlungskonzeptes ist die Betrachtung der eigenen Person im Hinblick auf ein Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele.

Das ist nicht leicht und setzt voraus, dass der Mann selbst Verantwortung für seine Gesundheit übernimmt und bereit ist, sich mit dem eigenen Seelenleben zu beschäftigen und somit die Gesundheit nicht dem Dienstleister Arzt allein zu überlassen wie etwa das Auto dem Mechaniker in der Werkstatt.

Gerade im Bereich der Andrologie scheint das Konzept der Integrativen Medizin ein Schatz zu sein, den Männer für sich entdecken können.

Neben organisch gut erklärbaren und somit entsprechend wirkungsvoll behandelbaren Erkrankungen beklagen Männer in der urologisch-andrologischen Sprechstunde zunehmend Störungen wie Antriebsarmut, Libidomangel, Störungen der Sexualität, Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Zuständen, die sich neben einer ausschließlich schulmedizinisch orientierten Herangehensweise häufig auch für ein Konzept der Integrativen Medizin nach den oben genannten Prinzipien anbieten.

Mehr Informationen unter: www.mission-manneskraft.de

Dr. Dietmar Betz

Dr. med. Dietmar Betz ist Facharzt für Urologie und Andrologie in Düsseldorf. Neben seiner klassischen Tätigkeit als Urologe beschäftigt er sich mit Störungen der männlichen Sexualität und/oder berät Paare, die über einen unerfüllten Kinderwunsch klagen.