Stars im Gespräch

Ronaldinho im Interview: Über wichtige Tore, das Nachtleben und seine große Liebe

Ronaldinho zählt zweifelsohne zu den besten Fußballern aller Zeiten. Wir trafen den brasilianischen Ausnahmekönner zum Interview in Paris.

Ronaldinho in Paris
Ronaldinho in Paris Foto: Expedia

Seine Tricks und seine Energie auf dem Spielfeld suchten ihresgleichen. Ronaldinho wurde unter anderem Weltmeister und Champions-League-Sieger. Doch viel wichtiger ist und war seine Aura, denn Ronaldo de Assis Moreira steht sinnbildlich für den puren Spaß am Spiel. Seine positive Ausstrahlung übertrug sich stets auf die Zuschauerränge, kein Wunder also, dass der Brasilianer nicht nur zu den besten Kickern aller Zeiten zählt, sondern eben auch zu den beliebtesten.

Männersache traf Ronaldinho in Paris zum Interview. Im Hotel Marignan unweit vom Champs-Élysées sprachen wir mit dem Weltstar über seine einzigartige Karriere und seine ganz spezielle Beziehung zu der französischen Hauptstadt.

Männersache: Einige Zeit vor ihrem Wechsel nach Paris waren sie bereits beim FC Sion in der Schweiz – inwieweit hat ihnen diese Erfahrung später in Paris geholfen?

Ronaldinho: Damals spielte mein Bruder für den FC Sion und ich besuchte ihn in den Ferien. Ich spielte dann dort auch ein bisschen Fußball, in erster Linie jedoch war ich bei meinem Bruder zu Gast. Diese Zeit war im Rückblick nicht so entscheidend im Hinblick auf mein späteres Engagement bei PSG, denn zu dem Zeitpunkt, als PSG mich verpflichtete, war ich bereits älter, insofern waren in Paris die Vorzeichen ganz andere als zuvor in Sion.

Männersache: Sie bildeten mit ihren brasilianischen Nationalmannschaftskollegen Ronaldo und Rivaldo einst ein gefürchtetes Offensiv-Trio und gewannen zusammen die WM 2002. Was war ihr Geheimnis?

Ronaldinho: Die beiden waren einfach auch außergewöhnlich gute Fußballer und wir drei spielten über einen langen Zeitraum zusammen für die Nationalmannschaft, da lernt man sich gut kennen und deswegen waren wir so gefährlich. Ähnlich wie die Offensivreihe vom FC Liverpool um Salah oder Mané beispielsweise, das ist höchste Qualität und ich liebe es ihnen beim Angreifen zuzusehen. Mit Mbappé in einem Team hätte ich allerdings wohl auch viel Spaß gehabt.

Männersache: Welche Voraussetzungen braucht es, um einer der besten Fußballer der Welt zu werden?

Ronaldinho: Ich denke, man braucht vor allem ein starkes Team auf dem Feld um sich. Dann kann sich der Einzelne entwickeln und seine beste Leistung zeigen. Das Team muss es einem auch erlauben, mal außergewöhnliche Dinge auszuprobieren. Zudem musst du viel spielen, auch in großen Matches musst du das Vertrauen in dich als Fußballer spüren. Die besten Fußballer der Welt haben fast immer auch in den besten Vereinen der Welt gespielt.

Männersache: Wir treffen uns heute hier in Paris, in der Stadt, wo sie vor rund 20 Jahren für PSG spielten. Was bedeutet ihnen Paris heute?

Ronaldinho: In bin in der Zwischenzeit immer wieder oft zurück nach Paris gekommen, quasi wann immer sich die Gelegenheit dazu bot. Es fühlt sich dann immer so an, als würde ich nach Hause kommen. Ich habe immer noch Freunde in der ganzen Stadt verteilt. Speziell liebe ich die Gegend um die Avenue des Champs-Élysées. Deswegen versuche ich immer ein Hotel zu wählen, welches in der Nähe ist.

Männersache: Welches war die größte Umstellung nach dem Wechsel von Porto Alegre nach Paris im Jahr 2001?

Ronaldinho: Das war eine riesige Umstellung in so vielen Bereichen. Mich erwartete eine komplett andere Lebenskultur, eine neue Sprache und ein völlig anderer Fußball, als ich ihn aus Brasilien gewöhnt war. Das war nicht immer einfach, aber ich habe es keine Sekunde bereut. Ich liebe PSG noch immer – und Paris auch. Hier habe ich mit dem FC Barcelona gegen Arsenal London 2006 auch die Champions League gewonnen, einer der wichtigsten Momente in meiner Karriere.

Männersache: Sie hatten eine unfassbare Karriere, haben aber nie in der wohl besten Liga der Welt gespielt. Warum hat man sie nie in der englischen Premier League gesehen?

Ronaldinho: Unglücklicherweise hat das nie geklappt. Ich war einige Male ganz knapp vor einem Engagement in England. Vor meinem Wechsel zum FC Barcelona beispielsweise war ich auch mit Manchester United in intensiven Verhandlungen. Auch danach gab es noch ein paar Möglichkeiten auf die Insel zu wechseln, aber am Ende ist es nicht dazu gekommen. Trotzdem bin ich den englischen Fans so dankbar, dass sie mich immer sehr freundlich empfangen haben, wenn ich dort in Auswärtsspielen mit meinen Clubs gespielt habe.

Männersache: Und dass, obwohl sie ihr wohl wichtigstes Tor ausgerechnet gegen England bei der WM 2002 erzielten – was gleichzeitig für die englische Mannschaft das WM-Aus bedeutete. Der Lupfer gegen den englischen Torwart David Seaman ist einer der bekanntesten WM-Treffer überhaupt – ganz ehrlich, war das Absicht oder auch in bisschen Glück?

Ronaldinho: Nein, es war kein Zufall, wir haben im Vorfeld analysiert, dass der englische Torwart immer gerne etwas weiter vor seinem Tor steht, das habe ich in diesem Fall ausgenutzt. Natürlich brauchte ich aber auch etwas Glück, damit der Ball hinter ihm so ins Tor fällt. Dieses Tor hat leider so viele Engländer traurig gemacht und zeitgleich so viele Brasilianer glücklich, ohne Zweifel eines der wichtigsten Tore meiner Karriere. Egal wo ich heute hinkomme, sprechen mich Leute immer noch auf dieses Tor an.

Männersache: Welches ist für sie das Fußballstadion, das die meisten Emotionen bei ihnen wachruft?

Ronaldinho: Das ist schwierig zu beantworten, weil ich im Laufe meiner Karriere in so vielen tollen Stadien gespielt habe und zu Hause war. Das Stade de France auf jeden Fall, auch das Prinzenparkstadion hier in Paris ist eines davon, aber natürlich auch Camp Nou in Barcelona, San Siro in Mailand oder das Beira-Rio-Stadion von meinem Heimatverein Gremio Porto Alegre gehören dazu.

Männersache: Ihren Durchbruch feierten sie 1999 beim Confed-Cup in Mexiko, unter anderem mit einem überragenden Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft. Später spielten sie dort für ein Jahr bei Querétaro Fútbol Club. Was verbindet sie heute mit Mexiko?

Ronaldinho: Ich habe viele tolle Erinnerungen an das Land. Das war eine wichtige Zeit 1999 für mich persönlich, denn ich hatte gerade erst meine Nationalmannschaftskarriere begonnen, als wir in Mexiko antraten und ich mich in Vordergrund spielen konnte. Ähnlich wie die Brasilianer lieben die Mexikaner den Fußball, da gibt es viele Parallelen. Zudem haben mich die mexikanischen Fans immer toll behandelt, dafür bin ich sehr dankbar.

Männersache: Eine letzte Frage: Was macht für Sie persönlich das Nachtleben von Paris so einzigartig?

Ronaldinho: Ehrlich gesagt ist das Pariser Nachtleben ähnlich derer, die ich auch in anderen Städten kennengelernt habe. Auch in Paris habe ich im Nachtleben sehr viel Musik und fröhliche Menschen erlebt, genau wie in so vielen anderen Orten auf dieser Welt. Über etwas wirklich Spezielles kann ich in diesem Zusammenhang tatsächlich nicht berichten.

Männersache: Ronaldinho, wir bedanken uns für das Gespräch.

Ronaldinho
Ronaldinho mit MNRS-Chefredakteur Timo Buschkämper über den Dächern von Paris Foto: Männersache

Während der Zeit, die wir mit Ronaldinho in Paris unterwegs waren, fällt immer wieder auf, dass er augenscheinlich nichts von seiner Strahlkraft auf die Menschen verloren hat, obwohl er seine Karriere bereits vor einigen Jahren beendet hat. Wo er auftaucht, sind die Leute Feuer und Flamme. Sie wollen mit ihm sprechen, ein gemeinsames Selfie machen oder einfach nur in seiner Nähe sein.

Darunter sind auch viele Fußballfans, die als Touristen in der Stadt an der Seine verweilen. Sie trauen oft ihren Augen nicht, als sie Ronaldinho beispielsweise am Eiffelturm entdecken. Der Brasilianer selbst geht mit dem Wirbel gelassen und professionell um - er lächelt zumeist, und zwar genau so, wie wir es von ihm in unnachahmlicher Weise gewohnt sind.

Fotogalerie: Mit Ronaldinho in Paris

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Übrigens: Zu der Kombination "Fußball und Reisen" hat Expedia aktuell eine spannende Umfrage veröffentlicht.

Unter anderem geht es dabei um Vorlieben von Fans aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich - insgesamt wurden 6.000 Menschen befragt, unter anderem auch zu folgender Frage:

Was machst du außer Fußball schauen noch gerne, wenn du zu einem Spiel unterwegs bist?

Deutschland

UK

Frankreich

In eine lokale Bar/Klub gehen

46%

50%

31%

Besichtigung der Hauptattraktionen

42%

42%

40%

Die lokale Küche probieren

51%

38%

60%

Einkaufen gehen

55%

34%

53%

Sightseeing-Touren unternehmen

33%

28%

59%

Museen besuchen

21%

26%

26%   

Selfies mit Einheimischen machen (z. B. mit Polizisten, Busfahrern, Bäckern...)

13%

19%

 14%

Zum Friseur gehen (z. B. der beliebteste Haarschnitt in der Stadt, die Sie besuchen, um wie Ihr Lieblingsfußballspieler auszusehen...)

11%

19%

8%

Lassen Sie sich tätowieren (z. B. etwas, das Sie an Ihre Reise/Stadt oder an das Spiel erinnert...)

8%

15%

6%

Andere

4%

1%

2%

N/A; nichts Besonderes

2%

10%

2%