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Emissionsberechnung: DAS ist der Basic-Emissions-Instinct

Wer in Zeiten von Klimanotstand und emotionsgeladener Debattenkultur gute Entscheidungen treffen will, braucht die richtigen Grundlagen.

Luftaufnahme einer Landschaft aus Bäumen und Wasser
Für gute Klimaentscheidungen braucht es gute Grundlagen (Symbolbild) Foto: Adobe Stock

Emissionsberechnung: Basic-Emissions-Instinct

Will man heutzutage einen Streit vom Zaun brechen, findet man auf der Liste mit Themen, die in kürzester Zeit jede Debatte eskalieren lassen, ganz weit oben die Stichworte Klimawandel und persönlicher CO2-Abdruck.

Nichts ist leichter, als sich in die oft haltlosen Diskussionen hineinziehen zu lassen, um dann früher oder später allein mit seinem schlechten Gewissen im Supermarkt, unter der Dusche oder am Gateway zu stehen und sich zu fragen: Wie schlimm sind eigentlich Bananen, der Warmwasserboiler oder der Inlandsflug jetzt wirklich?

Unbestreitbarer Fakt ist: Alles verursacht Emissionen. Jede Konsumentscheidung, jede Handlung, jeder Atemzug kostet. Die Schwierigkeit besteht darin, die jeweiligen Faktoren ins richtige Verhältnis zu setzen, ein Bauchgefühl für das "Wie viel" zu entwickeln, wie wir es beispielsweise für Geld bereits verinnerlicht haben. Wir müssen nicht darüber nachdenken, was teurer ist, ein Kilo Rinderfilet oder zehn Eier, eine Flasche Bier oder ein lang gereifter Whisky. Wir wissen es.

Dieselbe intuitive Entscheidungssicherheit brauchen wir auch beim Thema Ökobilanz, findet Mike Berners-Lee und liefert uns dafür das notwendige Werkzeug. Der 58-Jährige ist Professor am Institut für Soziale Zukunft an der Lancaster University und Experte für Carbon Footprinting. Als Sachbuchautor lässt er uns Laien an seinen Forschungsergebnissen teilhaben und überzeugt dabei durch die seltene Gabe, ein hochkomplexes Thema wie Emissionsberechnung, also mathematisch besonders schwere Kost, leicht verdaulich anzubieten.

Mike Berners-Lee empfiehlt "5-Tonnen-Lebensstil"

Es ist ein Vergnügen, seinen Ausführungen zu folgen. Auch wenn sich mancher Sachverhalt plötzlich anders darstellt, als man bisher angenommen hat, und die Daten insgesamt ein ernüchterndes Bild zeichnen: "Zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks gibt es keine Alternative." Man darf sich nicht durch billiges Greenwashing, Stichworte wie "Kompensation" oder "Klimaneutralität", in die Irre führen lassen. Der britische Forscher empfiehlt einen "5-Tonnen-Lebensstil", der globale Durchschnitt liegt bei 7 Tonnen pro Person pro Jahr.

Muss man mit gekürztem Budget haushalten, ist es umso wichtiger, die Größenordnungen richtig einzuschätzen. So könnte man beispielsweise die Jahresration auf einen Schlag mit einem Premium-Hin- und -Rückflug von London nach Hongkong verpulvern. Oder man initiiert stattdessen ein Zoom-Meeting und gönnt sich dafür öfter mal einen Cheeseburger.

Emissions-Fakten nach Berners-Lee

• 0,3 Gramm CO2e pro E-Mail und rund 10 Gramm CO2e pro Stunde Videokonferenz: Ein neuer Laptop hat den gleichen Fußabdruck wie ein Flug von London nach Rom. Seine Benutzung ist jedoch relativ CO2-arm.

• Die Fußball-WM in Russland hat für 2,2 Millionen Tonnen CO2e gesorgt. Wird Katar das toppen?

• Egal ob Einäscherung oder Erdbestattung, Sterben ist in jedem Fall das Freundlichste, was man tun kann.

• Lokal gebrautes Fassbier im Pub (650 Gramm CO2e) ist importiertem Flaschenbier aus dem Laden (1 Kilo CO2e) vorzuziehen.

Es finden sich zahlreiche interessante Gedankenspiele: Wer hätte gedacht, dass ein E-Bike einen deutlich geringeren CO2-Verbrauch haben kann als ein normales Fahrrad, je nachdem, aus welcher Quelle der Strom für den Akku und die Nahrung für den Menschen stammt, der strampelt. Auch ist es möglich, wenn auch nicht üblich, dass ein Veganer den Gemischtköstler emissionstechnisch überbietet, wenn er zu viele Flugzeugimporte und Gewächshauswaren verspeist.

Glücklicherweise gibt es einige Verzichtvorschläge, denen man gern folgt: das Bügeln vernachlässigen oder sinnlose E-Mails wie das gern automatisiert nachgeschobene "Danke" vermeiden. Wer wissen will, was er sonst tun kann, was der sogenannte Rebound-Effect ist, warum Weltraumtourismus und Kryptowährungen keine guten Ideen sind, dafür DACCS-Technologie und Seegraswiesen einen Lösungsansatz böten, ja sogar Massenvernichtungswaffen rein rechnerisch Emissionen reduzieren könnten, aber eben total am Ziel vorbeigedacht wären, der sollte dieses Buch lesen.

Die CO2-Bilanz ist nicht alles, ein angepasstes Denken schon. Es ist höchste Zeit.

Autorin: Alexandra Turner

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