Bereits viele Milliarden Opfer

Die gefährlichsten Tiere der Erde

Die Hälfte aller Menschen, die jemals gelebt haben, sind ihnen zum Opfer gefallen: Stechmücken sind die gefährlichsten Tiere der Erde. In den wenigen Wochen ihres Lebens kann jede von ihnen Tausenden Menschen den Tod bringen. Und die Tropen sind nicht mehr die einzige Region, in denen sie Viren verbreiten. Jetzt ist eine der gefährlichsten Arten in Deutschland entdeckt worden …

Stechmücke
Stechmücke Foto: iStock/haykirdi

Freiburg im Breisgau: Die Biologin Doreen Werner traut ihren Augen kaum. In einer ihrer Fallen, die sie in einer Kleingartensiedlung angebracht hat, macht sie einen erstaunlichen Fund.

In den Netzen tummeln sich Dutzende Mückenweibchen, die normalerweise Tausende Kilometer entfernt leben. Viele von ihnen sind randvoll mit Blut, ein Zeichen dafür, dass sie bald Eier legen wollen – Nachkommen eines Killers, der Millionen Tote fordert …

Wie wird aus einem Insekt ein Killer?

Für uns sind Mücken vor allem lästig: Kaum wird es abends etwas wärmer, tauchen die kleinen Nervensägen auf – und nutzen jede Gelegenheit, um sich an unserem Blut zu laben. Übrig bleibt nicht viel mehr als ein Jucken. Doch in anderen Ländern führen solche Stiche zu apokalyptischen Seuchen.

3500 Mückenarten gibt es weltweit. Nur ein paar Dutzend haben Milliarden Menschen auf dem Gewissen. Zur Verdeutlichung: Stechmücken haben die Hälfte aller Menschen getötet, die je auf der Erde gelebt haben.

Selbst heute mit den medizinischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts sind sie die größten Killer. Allein die Malaria-Mücke Anopheles gambiae tötet in Afrika jährlich 1,2 Millionen Menschen. Und aktuell infiziert gerade die Gelbfiebermücke Tausende in Südamerika mit dem Zika-Virus.

Die gefährlichsten Tiere der Erde

Angeführt wird das Ranking aber von den Überträgern des Denguefiebers, zu denen die Asiatische Tigermücke gehört: 100 Millionen Menschen infizieren sich jedes Jahr mit dem Virus, fünf Prozent der Erkrankten sterben – und genau diese Tigermücke hat Doreen Werner nun in Freiburg gefunden. Doch wie gefährlich ist ein Stich der Blutsauger wirklich?

Fakt ist: Die Mücken werden nicht als Killer geboren. Und sie leben nicht von Blut. Moskitos ernähren sich ausschließlich von Nektar. Aber die Weibchen brauchen Blut für ihre Ei-Produktion. Denn nur in Blut sind bestimmte Proteine enthalten, die wichtig für die Vermehrung sind.

Dabei stechen sie nicht nur Menschen, sondern auch Tiere – so infizieren sie sich mit gefährlichen Viren. "Asiatische Tigermücken stechen besonders aggressiv zu", sagt die Insektenforscherin Jeannine Dorothy.

75 Stiche in einer Minute sind bei dieser Art keine Seltenheit. Je mehr verschiedene Opfer eine Mücke sticht, desto höher ist die Chance, ein Virus aufzunehmen – genau das macht die Tigermücke so gefährlich.

Forscher haben nachgewiesen, dass die Tigermücke mehr als 20 Krankheiten übertragen kann. Die Viren setzen sich in den Speicheldrüsen ab und vermehren sich dort.

Wenn die Mücke mit ihrem Speichel die Stichwunde des Opfers betäubt, fließen mit dem Sekret aber auch die Viren in die Wunde. So infizierte etwa eine Tigermücke schon 2007 in Italien mehr als 200 Menschen mit dem Chikungunya-Virus – ein Mensch starb.

Nutzen Mücken Schlepperdienste?

In den 90er-Jahren wurde die Asiatische Tigermücke in Italien eingeschleppt – über Autoreifen, die in Asien hergestellt worden waren. Ein Weibchen hatte seine Eier in einem Reifen abgelegt. Diese Eier überleben viele Monate, sogar Jahre – bis ein Regenschauer ihre Entwicklung anschiebt.

Von Italien aus beginnt die Eroberung Europas. Die Tigermücke ist dabei auf Schlepper angewiesen, denn sie fliegt selten mehr 400 Meter weit. Auf der Jagd nach Blut landen die Tiere in den Autos von Touristen, die sie nach Frankreich, Spanien und jetzt auch nach Deutschland transportieren.

Dass sich die tropischen Mücken neuerdings bei uns heimisch fühlen, liegt auch am Klimawandel. Denn mittlerweile gibt es in Deutschland so viele Tage mit mehr als 30 Grad Celsius, dass die Tigermücke bei uns überlebt.

Ist Massenmord die einzige Lösung?

 Zurück zu Doreen Werner: Neben der Kleingartensiedlung in Freiburg entdeckt die Forscherin die perfekte Brutkammer für die Asiatische Tigermücke – einen Friedhof. "Da gibt es volle Wasserkannen und Brunnen: ideale Ablageorte für die Eier", erklärt die Biologin.

Nun wird der Kampf mit Pestiziden und Fallen gegen die Mücken aufgenommen. 3500 Weibchen wurden bisher von den Forschern eingefangen, doch ein Weibchen kann bis zu 240 Eier legen.

Um die Mücken weltweit zu bekämpfen, plädieren einige Wissenschaftler für Massenmord. Sie wollen männliche Mücken genetisch so manipulieren, dass sie überlebensunfähige Nachkommen zeugen – ein Massensterben wäre die Folge.

Für Freiburg wäre es diesen Sommer aber zu spät: Die Mücke hat den Winter überlebt und geht in der warmen Zeit wieder auf die Jagd…