INTERVIEW

"Senf aus Hollywood": Bill und Tom Kaulitz im Gespräch über ihren neuen Podcast

"Unser Podcast ist sehr schnell, wir sind sehr laut und wir trinken auch noch" : Im Männersache-Interview verraten Bill und Tom Kaulitz den neusten "Senf aus Hollywood".

Bill und Tom Kaulitz
Bill und Tom Kaulitz starten am 1. September 2021 ihren neuen Podcast: "Senf aus Hollywood". Foto: Brad Elterman

Die Zwillingsbrüder von der Band Tokio Hotel sind bereits in jungen Jahren nach Los Angeles gezogen, um der Belagerung von Fans und Presse zu entkommen. In ihrem neuen Podcast "Kaulitz Hills: Senf aus Hollywood“ diskutieren Tom und Bill Kaulitz über das, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat.

Sie tun dies mit einer Offenheit, die neu ist. Im Männersache-Interview sprechen wir darüber, warum ihnen das im Podcast leicht fällt, wie ihnen die Idee zum "Senf aus Hollywood" kam - und darüber, was sie in Deutschland am liebsten machen.

Männersache: Woher kommt ihr gerade?

Bill: Wir sind in Berlin und wir machen heute schon den vierten Tag in Folge Interviews zum Podcast. Es läuft ganz gut bis jetzt, oder?

Tom: Ja, es läuft gut. Wir haben auch ein Tageslicht-Zimmer hier, das ist ja auch mal was Schönes. (Bill lacht) Sonst sitzen wir immer im Dunkeln im Studio und wissen gar nicht, wie das Wetter überhaupt ist, aber heute haben wir zumindest ein Fenster. 

Männersache:Sehr gut! Dann lasst uns direkt beginnen. Wie kommt es dazu, dass ihr jetzt gemeinsam einen Podcast macht?

Tom: Grundsätzlich war es so ein Aha-Moment, weil wir eigentlich lange gar nicht wussten, dass es Podcasts gibt oder was das überhaupt ist. Als wir dann gehört haben, was Podcasts eigentlich sind, kam uns der Gedanke: Warum machen wir das nicht? Eigentlich sind wir doch mit dem Podcasten aufgewachsen. Bill und ich haben ja in unseren Doppelstock-Betten als Zwillinge den ganzen Tag nur gequatscht, wir hätten damals schon einen Podcast machen sollen. Also haben wir in unserem Alltag Mikrofone aufgebaut und einfach mal eine Stunde mitgeschnitten. Dabei herausgekommen ist der beste Podcast der Welt.

Bill: (lacht) Dabei herausgekommen ist Senf aus Hollywood und darum heißt es auch so!

Männersache: Hört ihr selber auch Podcasts?

Bill: Das erste Mal, als wir angefangen haben Podcasts zu hören, war, als es den Spotify Original Podcast von Charlotte (Roche, Anm. d. Red.) und Martin (Keß-Roche) gab, die "Paardiologie" zusammen gemacht haben. Das war das erste Mal, dass ich reingehört habe, und es ist auch der einzige Podcast, den ich komplett kenne und durchgehört habe. Ansonsten war ich immer nur zu Gast in Podcasts.

Tom: Ja, das haben wir viel gemacht, ohne zu wissen, was wir da eigentlich machen.

Senf aus Hollywood
Senf aus Hollywood Foto: Brad Elterman

Männersache: In welchen Situationen hört ihr den Podcast?

Tom: Im Auto!

Bill: Auf jeden Fall im Auto. In LA steht man ständig im Verkehr. Überall wo du hinfährst, das dauert mindestens anderthalb Stunden. Dann kannst du da immer super Podcast hören. Also das mache ich schon viel.

Männersache: Wenn ihr an eure Hörer denkt – stellt ihr euch eine bestimmte Situation vor, in der die euren Podcast hören?

Bill: Tom und ich sitzen uns ja immer gemütlich mit einem Drink zusammen, rauchen auch mal eine Zigarette und fläzen ganz entspannt zusammen rum. Deshalb fände ich es auch immer schön, wenn die Leute Mittwochabend, wenn sie von der Arbeit nachhause kommen, sich einen schönen Drink machen und zusammen mit uns über die Woche plaudern sozusagen. Sie sollen sich eingeladen fühlen, der dritte Zwilling zu sein, sodass wir dann als Drillinge den Abend zusammen ausklingen lassen.

Tom: Wobei ich Auto auch gut finde. Du kannst es laut machen und bist so richtig dabei.

Bill: Unser Podcast ist sehr schnell, wir sind sehr laut.

Tom: Und wir trinken auch noch.

Bill: Darum finde ich, dass es eher etwas für nach dem Feierabend ist. Letztendlich kann das natürlich jeder selbst entscheiden.

Tom: Ich glaube ehrlich gesagt mit Kaulitz Hills – das ist immer gut. Im Auto, morgens, vor der Arbeit, nach der Arbeit, das funktioniert überall. (Bill lacht)

"Es ist unser Rahmen, unser Tempo"

Männersache: Bisher habt ihr nicht so offen über Privates gesprochen - was ändert sich mit dem Podcast?

Bill: Weil es unser Rahmen ist, unser Tempo. Wir können das allein entscheiden, ohne, dass es uns jemand aus der Nase zieht. Es ist einfach aus unserem Zuhause raus, aus einem Gespräch unter Brüdern. Es ist ehrlich und ungefiltert – auch ungekünstelt.

Tom: Es ist auch immer der Kontext da, wenn du über Sachen redest. Du hast Zeit, du kannst genau das preis geben, was du willst. Ich glaube, dass das wichtig war.

Wenn du ein Interview führst, werden Dinge oft aus dem Zusammenhang gerissen und Schlagzeilen draus gemacht. Oder es wird nur ein Foto gepostet und jemand schreibt was dazu.

Das ist dann etwas schwieriger. Im Podcast hofft man aber, dass die Leute einen großen Teil davon hören, dass sie dranbleiben. Dann hat man auch den Kontext und versteht, wie es gemeint ist. Es ist eine andere Form, die viel selbstbestimmter ist.

"Hier in Deutschland kann es schonmal gemeiner sein"

Männersache: Im Podcast thematisiert ihr auch, wie über euch berichtet wird. Wie ist es für euch, so etwas immer wieder zu lesen?

Tom: Wir setzen uns jetzt natürlich bewusst damit auseinander, weil wir die Kategorie "Kaulitz Kolumna“ im Podcast haben. Wir dachten, es sei auch eine witzige Idee, das mal offen zu besprechen. Man glaubt einem das ja nicht, aber es ist tatsächlich so, dass wir uns nicht den ganzen Tag googeln und schauen, was über uns geschrieben wird – vor allem nicht in dieser Art von Zeitung.

Außerdem sind wir damit aufgewachsen – uns kann, glaube ich, nichts mehr aus den Socken hauen. Es gibt nichts, was noch nicht über uns geschrieben wurde. „Durch den Monsun“ ist im August 16 Jahre alt geworden – und ab einem bestimmten Punkt ist es einfach nur lustig.

Männersache: Unterscheidet sich die Berichterstattung zwischen Deutschland und Hollywood?

Bill: In Amerika ist es sehr viel harmloser. Hier in Deutschland kann es schon mal gemeiner sein. Da denkt man sich manchmal: Wow, darauf muss man erstmal kommen.

"Ich bin aber schon derjenige, der gerne das Glas Wein mit rausnimmt und eine Zigarette raucht – total un-L.A."

Männersache: Was ist, für euch ganz persönlich, der größte Unterschied zwischen dem Leben in Hollywood und dem Leben in Deutschland?

Bill: Ich glaube wir sind schon etwas europäischer, was zum Beispiel das Zeitmanagement angeht. Da sind wir sehr deutsch. Wir kommen nie zu spät, wir mögen es, lange wach zu bleiben. Ich fühle mich auch immer wohl, wenn es Nacht ist, während L.A. ja eine super frühe Stadt ist. Alle Läden machen früh zu. Ich bin aber schon derjenige, der gerne das Glas Wein mit rausnimmt und eine Zigarette raucht – total un-L.A.

Männersache: Gibt es etwas, wovon ihr Besuchern in Hollywood abratet?

Bill: Wovon ich jedem abraten will, sind diese komischen Touri-Busse, die überall herumfahren. Das ist furchtbar, da sitzt du in einem Stinke-Bus, mit dem du ewig rumfahren musst und jemand erzählt dir nur Unwahrheiten. "Hier ist schonmal Brad Pitt langgelaufen. Hier drüben geht Jennifer Aniston gerne essen“. Jaja, ist klar.

Tom: Ich würde jedem raten, sich einen Mietwagen zu nehmen. L.A. ist unglaublich groß und wenn du verschiedene Stadtteile sehen willst: Nimm dir ein schönes Elektro-Auto mit Rooftop und genieß das L.A.-Wetter. Es dauert auch alles sehr lange. Leute in L.A. leben teilweise in ihren Autos.

Männersache: Was macht ihr immer wieder mit Freunden, die euch besuchen?

Bill: Ich habe zum Beispiel meine Lieblings-Klamottenläden, in die ich immer reingehe, gerade so Vintage-Shopping. Man kann super essen gehen. Das allerbeste Sushi in L.A. gibt es an jeder Ecke, da musst du gar nicht in den teuersten Laden der Stadt gehen. Dann gibt es viele schöne Aussichtsorte. Außerdem sind wir mit unseren Hunden wandern und an Spots, von denen man auf die ganze Stadt herunterblicken kann. Wir haben dann schon unsere Orte, die wir mit Freunden abarbeiten.

"Alle Backwaren in L.A., vor allem Brot, sind grundsätzlich scheiße."

Männersache: Gibt es denn etwas, worauf ihr in eurem Leben in Hollywood verzichten müsst?

Tom: Deutsche Backwaren. Geile Brötchen, gutes Brot.

Bill: Kuchen!

Tom: Alle Backwaren in L.A., vor allem Brot, sind grundsätzlich scheiße.

Bill: Das ist alles nur Zucker.

Männersache: Wenn ihr, wie jetzt, in Deutschland seid – gibt es dann Sachen, die ihr immer wieder macht, die ihr einkauft oder erledigt?

Bill: Essen. Kartoffeln und Bauernfrühstück, Weißwurst, Brezel, Döner, Currywurst. Wir hauen uns hier immer ordentlich mit Sachen voll, die es auch nur hier gibt.

Hier gelangt ihr zur ersten Folge des Podcasts: