Serienmörder

Fritz Haarmann: Der Vampir von Hannover

Fritz Haarmann biss seinen Opfern beim Sex die Kehle durch und zerstückelte sie im Anschluss. Der Vampir von Hannover sorgte im Deutschland der 20er Jahre für Angst und Schrecken an der Leine.

Fritz Haarmann
Fritz Haarmann Foto: IMAGO / localpic

Fritz Haarmann: Vampir von Hannover

Fritz Haarmann ist einer der bekanntesten Serienmörder Deutschlands. Seine Opfer nannte er höhnisch "Puppenjungs" – ein damals gängiger Ausdruck für Stricher – und bereute keinen einzigen Mord.

Im Deutschland der 20er Jahre brachte der Vampir von Hannover 27 Jungen und Männer im Alter zwischen zehn und 22 Jahren um. 

Fritz Haarmann: Kindheit

Der spätere Serienmörder kam am 25. Oktober 1879 in Hannover zur Welt – die Stadt sollte später das Revier des Vampirs werden. 

Während sein Vater streng und autoritär gewesen sein soll, hat Fritz Haarmann von seiner Mutter viel Liebe erfahren. Doch auch sie hat nicht verhindert, dass der kleine Fritz jahrelang von seinem älteren Bruder missbraucht wurde. Wie bei der bekannten Serienmörderin Aileen Wuornos, die von ihrem eigenen Bruder sogar schwanger wurde, hat der Missbrauch sicherlich ein schweres Trauma hinterlassen.  

In der Jugend wurde dann aus dem Opfer ein Täter: Schon 1896 – Jahre vor seinem ersten Mord – stand Fritz wegen mehrfacher sexueller Belästigung unter Anklage. Damals war er gerade 17 Jahre alt. Nachdem er als krankhaft gestört eingestuft worden war, wanderte er aber nicht ins Gefängnis, sondern in eine Heilanstalt. 

Von dort aus drehte sich die Abwärtsspirale streng weiter. Fritz Haarmann floh aus der Anstalt, floh aus Deutschland, kam zurück, ging zum Militär und wurde dort wieder entlassen. Am Ende geisterte er arbeitslos und von der Familie verstoßen durch Hannover und hielt sich als Kleinkrimineller über Wasser. Den Ersten Weltkrieg verbrachte Fritz Haarmann hinter Gittern.

Wo fand Fritz Haarmann seine Opfer?

Die Wirren, das Leid und das Elend nach dem Ersten Weltkrieg bildeten einen perfekten Deckmantel für Haarmanns Treiben. Er lebte zunächst in einer Wohnung in der Neuen Straße, umgeben von Hunger und Not.

Es war ein Leichtes für ihn, junge Männer zu sich nach Hause zu locken: Er bot ihnen ein Dach über dem Kopf und seine Opfer willigten ein.  

Das erste Mal tötete der Vampir von Hannover im September 1918, wenige Wochen vor dem Ende des Ersten Weltkriegs. Sein Opfer war der 17-jährige Friedel Rothe. Obwohl die Polizei Fritz Haarmann in dem Fall sogar verhörte, wurde er nicht verhaftet.

Bis heute wird vermutet, dass Haarmanns enges Verhältnis zur Polizei – er war zwar selbst ein Krimineller, verdingte sich aber als Polizeispitzel – dazu führte, dass er erst 1924 überführt wurde. 

Fünf Jahre ließ Fritz Haarmann ins Land ziehen, bis er erneut mordete. 

Fritz Haarmann: Morde

Zwischen Februar 1923 und Juni 1924 tötete Fritz Haarmann durchschnittlich jeden Monat mindestens einmal, im Oktober 1923 und April 1924 dann jede Woche. So fielen dem Serienmörder nach Friedel Rothe weitere 26 Jungen und Männer zum Opfer – der Jüngste ist gerade einmal zehn Jahre alt, der Älteste 22. 

Aufgrund seiner blutigen Vorgehensweise trägt Haarmann viele Spitznamen. Der Vampir von Hannover ist wohl der bekannteste, doch Haarmann wird auch Schlächter von Hannover, Kannibale von Hannover und Werwolf von Hannover genannt.

Alle diese Bilder passen, denn Fritz Haarmann tötet seine Opfer durch einen Biss in die Kehle.

In einem Verhör sagte Haarmann über seine Mordlust, er bekäme nach dem Sex "seine Tour". Dabei biss er seinen Opfern in den Adamsapfel und würgte sie gleichzeitig. Der Tod trat dann durch Ersticken ein. 

Nach dem Mord zerstückelte er – ähnlich wie es Jeffrey Dahmer, die Bestie von Milwaukee Jahre später in den USA tun würde (Jeffrey Dahmer: Die Bestie von Milwaukee) – die Leichen und vergrub die Leichenteile.

Einige der Knochen, darunter auch Schädel, warf er in die Leine. Der Fluss sollte die Polizei schlussendlich zu dem Serienmörder führen.  

Fritz Haarmann: Festnahme

Sein jüngstes Opfer war selbst noch ein Kind und Kinder sollten den Vampir von Hannover entlarven. Zwischen Mai und Juni 1924 fanden Kinder nämlich fünf menschliche Schädel in der Leine. Das Interesse der Polizei war geweckt. 

Nach genaueren Untersuchungen hatte die Polizei etwa 300 Knochenstücke geborgen, die 22 Personen zugeordnet werden konnten. 

Schnell stellte sich heraus, dass die Schädel allesamt zu männlichen Opfern gehörten und die Beamten schlussfolgerten, dass es sich um homosexuell motivierte Morde handeln müsse. Sofort war Fritz Haarmann im Visier der Ermittlungen. 

Nachdem er zunächst wegen Bedrohung eines Jugendlichen am Hauptbahnhof Hannover festgenommen worden war, wurde der Psychopath wegen der gefundenen Knochen befragt und gestand – nach tagelanger Folter durch die Polizei – schließlich einige der Morde. 

Fritz Haarmann: Verurteilung

Reue zeigte Fritz Haarmann nach seiner Verhaftung nicht. Er soll seine Opfer verhöhnt haben: "Och, das waren doch nur Puppenjungs!"

Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, da der Serienmörder sich kaum an die Namen seiner Opfer erinnern konnte oder wollte. Mit Haarmann waren weitere Täter angeklagt: Sein langjähriger Freund Hans Grans (1901–1975) beispielsweise, der von Haarmanns grausamen Taten nicht nur gewusst, sondern auch profitiert haben soll.

Denn der Vampir von Hannover machte aus dem Morden ein Geschäft, indem er die Klamotten seiner Opfer weiter verkaufte. Gerüchten zufolge verarbeitete er deren Fleisch sogar und verkaufte es an hungernde Nachbarn. Diese Vermutung bestritt der Schlächter von Hannover aber stets.  

Tatsache bleibt, dass Hans Grans die Kleidung zweier Opfer trug, als er verhaftet wurde. Als Komplize wurde er 1926 zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Statt aber 1938 frei zu kommen, saß er bis 1945 – dem Ende des Zweiten Weltkriegs – im KZ Sachsenhausen.

Im Jahr danach kehrte Hans Grans nach Hannover zurück, heiratete seine Frau und starb 1975 in Hannover-Ricklingen. 

Hans Grans (r.) war 20 Jahre jünger als Fritz Haarmann Foto: imago images / localpic

Fritz Haarmann: Todesursache

Fritz Haarmann wurde indes kein natürlicher Tod zuteil. Am 19. Dezember 1924 wurde der Vampir von Hannover zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung fand am frühen Morgen des 15. April im selben Jahr durch Enthauptung am Fallbeil statt.

Fritz Haarmann starb mit 45 Jahren.

Der Kopf Fritz Haarmanns wurde präpariert und untersucht. Dabei konnte eine verheilte Hirnhautentzündung festgestellt werden – der Grund für sein Morden? Man weiß es nicht. Erst 2015 wurde der gruselige Überrest des Vampirs von Hannover eingeäschert

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