Mystery-Update

Der wahre ES-Killer

Millionen Menschen gruselten sich beim Remake von Stephen Kings "ES". 2019 kommt der zweite Teil in die Kinos. Was die wenigsten wissen: Den Killer-Clown hat es wirklich gegeben. wdw über das tödlichste Lachen der Welt …

Killer-Clown
Killer-Clown Foto: iStock / redhumv

Die Kinder juchzen vor Freude. Und auch die Erwachsenen können sich das Lachen kaum verkneifen. Zu lustig ist die Performance von "Pogo, dem Clown", der aus dem Gartenfest eine Zirkusmanege macht. Mal wieder.

Der rote Hut, die übergroßen Schuhe, die weiße Schminke – in seiner Paraderolle als tollpatschiger Clown ist John Wayne Gacy im ganzen Viertel bekannt und beliebt.

Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnt: Der Mittdreißiger schlüpft nicht etwa in sein Kostüm, um Kinder glücklich zu machen oder Geld zu verdienen, sondern um seine zukünftigen Opfer kennenzulernen. Denn Pogo, der Clown ist auf Menschenjagd …

Der wahre Killer-Clown heißt nicht Pennywise, sondern Pogo

Handschellen gehören nicht gerade zur klassischen Ausrüstung eines Clowns, doch der Trick ist beeindruckend – und Gacys perfide Strategie funktioniert immer wieder: Er lockt die jungen Teenager in sein Haus und bittet sie, ihn mit seinen eigenen Handschellen zu fesseln.

Gacy gelingt es stets, sich innerhalb weniger Sekunden zu befreien. Dann drängt er die Jugendlichen dazu, den Trick ebenfalls zu versuchen, und legt ihnen seine Handschellen an. Erst in diesem Moment zeigt "Pogo the Clown" sein wahres Gesicht.

"Der Trick ist, dass du die Schlüssel für die Handschellen haben musst", grinst er – und missbraucht seine wehrlosen Opfer. Anschließend stranguliert er sie mit einem Seil oder ersticht sie mit einem Messer. So geht es jahrelang im Chicago der Siebziger-Jahre. Dennoch schafft es Gacy lange Zeit, den Schein des allseits beliebten Nachbarn zu wahren.

Als Clown auf Straßenfesten begeistert er Kinder und Eltern, als lokaler Geschäftsmann kümmert er sich darum, dass junge Menschen eine berufliche Perspektive bekommen – und als Bezirksleiter der Demokraten schüttelt 1978 sogar die damalige First Lady Rosalynn Carter seine Hand.

Tatsächlich ist es die Hand eines der grausamsten Serienkiller in der Geschichte der USA. Die Polizei tappt jedoch bei ihrer Suche nach den vermissten Teenagern weiter im Dunkeln.

Niemand kann sich vorstellen, dass der freundliche John Gacy etwas mit dem mysteriösen Verschwinden der Jungen zu tun haben könnte.

Das Vorbild für Stephen Kings "ES"

Wie oft bei Serienmördern zu beobachten, wird allerdings auch Pogo, der Clown übermütig – und macht Fehler. Als er am 11. Dezember 1978 den 15-jährigen Robert Jerome Piest mit einem Jobangebot in sein Haus lockt und tötet, ahnt Gacy nicht, dass der Junge zuvor seiner Mutter erzählt hat, wohin er gehen will.

Plötzlich gerät der damals 36-Jährige ins Visier der Ermittler. Die anschließende Hausdurchsuchung übertrifft die schlimmsten Befürchtungen der Polizisten und ist selbst für die erfahrensten Detectives der blanke Horror:

Die Beamten finden die sterblichen Überreste von 29 Jugendlichen, die im Kriechkeller, unter der Garage und im Garten des unscheinbaren Einfamilienhauses im Chicagoer Vorort Norwood Park vergraben liegen.

Wenig später, nach den ersten Verhören mit Gacy, entdecken sie weitere fünf Leichen in einem nahe gelegenen Fluss. In diesem Moment zeigt Pogo, der Clown sein wahres Ich – es ist ein sadistisches und vollkommen realitätsfremdes Ich.

So sagt er trotz seines eigenen Geständnisses, "etwa 30 Jungen getötet" zu haben, vor Gericht mit einem Lächeln aus: "Das einzige Verbrechen für das Sie mich verurteilen können, ist, dass ich ein Bestattungsinstitut ohne Lizenz betreibe."

Die Jury sieht das erwartungsgemäß anders und verurteilt Gacy zu 21-mal lebenslänglich und 12-mal der Todesstrafe. Es ist die längste Strafe, die je über einen Serienmörder verhängt wurde.

14 Jahre nach seiner Verurteilung wird Gacy am 10. Mai 1994 hingerichtet. Weil die Kanüle der Spritze verstopft ist, dauert die Exekution 18 Minuten. Dann ist der Massenmörder tot.

Doch etwas hat von Gacy überlebt: Der Gedanke, dass man keinem Clown trauen kann, ist heute längst ein beliebtes Leitmotiv von Dutzenden Horrorfilmen. So wie bei Stephen Kings "Es".